Wednesday, 08 February 2012
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London Underground
Mein Chef der Anwalt hat mich nach London mitgenommen, wir schreiben den 10. März und es ist recht sonnig. Meine Aufgabe hier im Vereinigten Königreich von England ist es, Protokoll zu schreiben - man höre und staune, das es das noch gibt im Zeitalter der Blackberries, der Laptops und der Videokonferenzen.

Ich habe meinen Chef im Verdacht, dass es eine Prestige Aktion ist, ER hat eine Assistentin und SIE trippelt in hohen Absätzen mit der in edlem Leder gebundenen Aktentasche hiner ihm her.

Wir haben heute nur einen wichtigen Termin wahrzunehmen, und ich wundere mich, weshalb wir nicht 2 - 3 Termine abwickeln, wir haben doch Zeit.

Im Hotel bevor ich zum Frühstück in die Lobby ging, seh ich beim Zähneputzen auf den Fernseher - Ken Livingstone, the Mayor of London, der Bürgermeister spricht über die Verbesserungen in der Londoner U-Bahn und bei den Railway Stations. Tja, da kann ja nix schiefgehen, wenn wir uns nachher auf den Weg machen.

Es ist 9.00 Uhr, als wir das Hotel verlassen in der Nähe von Notting Hill und das Meeting soll um 11.30 in London Central stattfinden. Wir gehen zur nächsten U-Bahn Station. Proppevoll. Die Leute wie die Sardinen in der Büchse - gedränkt. Dann kommt der erste Zug - so voll, da kann Tokyo nicht mithalten. Wir warten die zweite ab und drängen uns in den Wagen. Penetrantes Parfüm, ein paar übelriechende Zeitgenossen und ständig das Gedränge. Wir steigen 2 Stationen weiter aus. Dann der Lautsprecher der meldet, dass zwischen den nächsten 2 Stationen kein U-Bahn Verkehr stattfindet, wegen Bauarbeiten "construction work", dabei hat doch heute morgen Ken Livingstone gross und breit am Fernsehen erklärt, dass die construction works nur an den Wochenenden stattfinden.

Wir verlassen also die Metro, befolgen den Ratschlag der Lautsprecherstimme und nehmen den erwähnten Bus. Strömender Regen plötzlich. Wir hechten in den ersten Bus - auch dieser zum Bersten voll. Der Verkehr langsam und zäh. Und wir haben bereits 10.00 Uhr. Mein Chef der Anwalt schaut besorft auf die Uhr - er mag keine Verspätungen. Nach 5 Stationen auf dem Schneckenweg im Bus steigen wir aus und rein in die nächste U-Bahn. Treppen runter und ich bin meinen hohen Absätzen, die ich verfluche. Schönheit muss leiden.

Dann eine Rolltreppe nach der andern - stairways to hell - und wieder ein Riesengedränge. Alles ringt sich um 2 völlig überlastetet und gestresste Mitarbeiter der U-Bahn, die mit ihren gelb-fluoriszierenden Ueberziehern dastehen und immer wieder das gleiche erzählen, nämlich, dass auch diese U-Bahn wegen construction work zwischen exakt der Station nicht verkehrt, die wir anpeilen. Also wieder rauf die Rolltreppen, die Treppen und in den nächsten Bus - da kein Taxi in Sicht. Es ist jetzt 10.30 und mein Chef kriegt wieder seine "böse" Falte zwischen den Augen.

Der Bus fährt eine andere Route - soweit kenn ich mich langsam in London aus - und als ich ihn darauf hinweise, sagt er, dass er diese Route fahren muss, er sei ein Ersatzbus - richtig angeschrieben, aber falsche Route....

Wir steigen aus und hechten zu Fuss um die Ecke zur nächsten U-Bahn, wieder Treppe runter, Lift runter und dann schaffen wirs grad noch auf den Zug nach Paddington. Dort müssen wir wieder aussteigen und auf eine andere U-Bahn umsteigen - so sagts der Mann im Lautsprecher.

Es ist nun 11.00 Uhr und in 30 Minuten ist unser Termin. Mein Chef schwitzt und sein Regenmantel perlt - ich nehm schon an, dass es die Regentropfen sind.

Wir sprinten die Treppe zur Plattform in London Paddington und schauen auf die überdimensionalen Abfahrts-Monitore. Kein Zug der dort hin geht, wo wir hinmüssen.

Also raus aus dem Bahnhof und zu den Taxis. Collin, ein Cockney winkt uns freudig lachend zu einzusteigen. Ich bin gestresst und mein Chef flucht, aber Collin lacht herzhaft und fährt los. "Hey hey, do not panic, I know you are pissed off, but hey it is Monday and that's the way it is here in London". Ich beklag mich über die Versprechungen von heute morgen im Fernsehen - des Bürgermeisters. Ich werde ein Brief an Gordon Brown schreiben, das sind ja haltlose Zustände im Morgenverkehr.
"You should write the letter to Ken Livingstone, the mayor - he is the right person", lacht schallend Collin, der Taxifahrer, "but don't forget to make me a copy, I wanna see that".

"30 years we have not done anything on our railway system, and that's what we have to deal with now". Je mehr mein Chef flucht, je lauter lacht Collin und entblösst mehrere Zahnlücken. Vor Lachen klopft er sich auf die Schenkel und zwinkert mir scherzhaft durch den Rückspiegel zu.

"Your hubby is a bit nerveous, isn't he, ey". Er ist nicht mein Mann, sondern mein Chef. "Oh darling, you poor one, that is even worse" und schon schüttelt er sich wieder vor Lachen.

Wir haben jetzt 11.25 und Collin parkiert mit quitschenden Reifen das Taxi vor dem Gebäude. Wir sind da. "Just in time - ey", strahlt Collin. Ich geb ihm reichtlich Trinkgeld und ernte einen kritischen Blick meines Chefs.

Wir hechten ins Gebäude - es ist 11.29 und just um 11.30 schütteln wir brav Händchen und tauschen Visitenkarten aus mit unseren englischen Kollegen.

Ist nochmals gutgegangen.

Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin.



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