Es ist Valentines Day. Die roten Herzen, Pralinen, Blumen und Liebes-Karten sind schon seit Wochen in den Medien, an den Plakatwänden und am Radio, Fernsehen zu sehen, hören und jetzt ist er da - der Valentines Tag, der 14. Februar 2008.
Ich habe 4 Sträusse ins Büro geliefert bekommen - 1 von Hermes, meinem langweiligen Juristen, 1 von Gian-Luca meinem Garagisten (tu sei bella, Samantha), 1 von Stefan, meinem Langzeit-Verehrer vom Gymi und 1 von Mama. Sie schreibt jedes Jahr aufs Kärtchen ("im Falle, dass Dir keiner rote Rosen schenkt, Mama").
Obwohl alles nach Rosen duftet, das Telefon klingelt und die SMS und e-mails sich kreuzen wie auf einem Highway - fühl ich kein Kribbeln im Bauch - im Gegenteil. Gerade heute geht mir das "starke" Geschlecht so was von auf den Geist.
Schon im Tram hab ich mich über die geschleckten Banker aufgeregt, mit ihren identischen Aktentaschen, ihren Kravatten vom gleichen Hersteller, den gleichen Hemden und Anzügen und den gleichen Schuhen. Und der blasierte Blick - entweder "pleased" oder gleich wieder wegkuckend.
Dann die Rüppel auf der Strasse, die zu spät dran sind für ihr erstes internes Meeting in der Bank. Sie rempeln einem an und ohne "Entschuldigung" hetzen vorbei, halten mit einer Hand die Lifttüre an und hechten noch rein. Und stehen dann räuspernd und hustend im Lift.
Und dann die Biedermänner vor den Kopiergeräten, wie sie sich anstellen, als wären sie im Gulag, im Arbeitslager und dazu verdammt zu "KOPIEREN". Sie stehen hilflos da, drücken wirr auf alle Knöpfe, schauen mit schräger Kopfhaltung dem Papier zu, wie es rauskommt, um dann mit kreisenden Bewegungen die Hände zu verwerfen und sich über die Qualität, die Anzahl oder die Grösse des Gedruckten zu empören.
Muss ich sagen, dass es meist deutsche Biedermänner - mittleren Alters sind.
Erfrischend dann die "Nicht-Kravatten-Träger", Externe, die für Meetings kurz reinschauen, seien es Werber, PR-Berater, Politische Berater oder Grafiker. Letztere sitzen grad in der Eingangshalle und warten, dass sie abgeholt werden. Einer fällt mir gleich nach der Mittagspause ins Auge. Gross, blond (wieder mal), beiger Regenmantel (bei dieser Kälte), die Haare frisch geföhnt, ein wenig länger, Ende 30, noch ganz niedlich, hat sogar ein paar Bartstoppeln (ich schau halt genau hin). Ich gehe vorbei und er kuckt nicht mal hoch, er ist mit seinem Blackberry beschäftigt. Scheint ein neues Gerät zu sein. Sein Kollege schaut ihm über die Schulter "geil, das Ding, echt, hat ganz neue Tools - geil". Atemlos drückt der Grafiker auf die Knöpfe und navigiert sich durch das System. "Ey, mega geil".
Men and their tools.
Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin.
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