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Wieder Montag, der 11. Februar 2008 und es war wieder saukalt draussen. Ich dachte, ich trage heute mein neues Empire-Kleidchen im Ethno-Stil und drüber so ein Wollmäntelchen und schwarze blickdichte Strümpfe. Wau. War das kalt. Ich musste ja bloss vom Seefeld in die Bahnhofstrasse, aber diesmal bin ich anstatt auf das Tram zu warten gerannt. Bis ans Bellevue und dann über die Brücke, und dann rechts um die Ecke ins Büro. Ausser Atem und mit kalten Beinen kam ich in der Bank an.
Mein Chef, der Anwalt, hat nur die Augen zum Himmel gerollt und den Kopf geschütteln, als ich mit wirrem Haar und keuchend ins Büro hechtete. "Können Sie sich keinen wärmeren Mantel leisten, Samantha?". "Nö, nicht mit diesem Salär", entgegnete ich.
Heute bin ich früh nach Hause gekommen - die Photo-Kiste vorm Kamin macht mir zu schaffen. Eine Sisiphus-Arbeit. Wo anfangen? Wo aufhören?
Ich hab gestern angefangen. Es wird kein Ende nehmen.
Ueber Mittag ging ich in den Jelmoli an der Bahnhofstrasse und kaufte in der Papeterie - Ordning Reda - oder so ähnlich - Schwedisch - 10 Photoalben - gross, schwarz, matt - darin sieht jedes Foto top aus - und dann noch so paar Kleber, die von alleine kleben, man muss sie nur von der Rolle rupfen.
Ich hab gestern ein paar wenige Photos vorsortiert und in Kuverts mit Jahreszahlen versorgt. Bisher hab ich die Jahre 1975, 1999 und 2002. Im Kuvert 1975 hab ich schon besagte Photos von Mama und Papa frisch verliebt in Paris. Dann ein paar von mir und meinen 3 Brüdern - wir sind alle anfangs 20 und im Flegelalter. Ich arbeite schon in der Bank, meine 3 Nervensägen studieren oder fangen erst damit an. Also der Haarschnitt ist einfach schrecklich, wie konnt' ich damals meine dünnen Haare so ausfranseln und färben. Wo um Himmelsgottswillen habe ich mich inspirieren lassen. 2 meiner Brüder tragen Glatze, einer Hippy-Style - es ist Sommer 1999 und wir sind in Cap Ferrat - in Südfrankreich. Ich bin dort fast ertrunken - ins Hotelpool gesprungen ohne mich zu vergewissern, dass die Leiter darin befestigt wird. Als ich es merkte, war schon eine halbe Stunde vergangen und kein Hotelgast mehr zu sehen - waren alle am Strand. Niemand mehr da. Ich hörte die Wellen des Strandes und den Lärm der spielenden Kinder - aber niemand kam. Mama war im Dorf beim Coiffeur, Papa und meine Brüder am Strand und der schwerhörige Abwart des Hotels räumte in Seelenruhe Tische und Stühle zusammen ohne meinem verzweifelten Winken und Schreien Aufmerksamkeit zu schenken. Nach einer Ewigkeit verliess auch er das Gelände und ich war wieder mir selbst überlassen. 5 Stunden bin ich geschwommen, hab mich hin- und wieder treiben lassen, Totes-Männchen Stellung gemacht, in die Sonne geblinzelt und mir vorgestellt, wie meine ganze Sippe an meinem Grab stehen wird. Mama weinend, Papa gefasst, meine Brüder geschockt, mein süsses Omi mit einem riesigen Taschentuch - und dann hab ich mir den Sonnenbrand meines Lebens geholt. Seit diesem Tag kann mich nichts mehr stressen. Ich kann tagelang schwimmen - einmal im Wasser bin ich nicht mehr rauszukriegen, weder mit Barbecue noch mit Gelato - Wasser ist mein Element.
Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin.
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