Wednesday, 08 February 2012
Home arrow Mein Blog

Werbung


Shop at DesignerShoes.com
Monolog im Zug Nr. 3
Heute morgen, den 8. Februar, bin ich wieder mal im Zug von Zürich HB zum Flughafen - in einem dieser modernen Flitzer. Ich hab meinen Chef, den Anwalt, wieder mal rumgekriegt - sprich, ihm verschiedene Termine in seine Agenda gesetzt und ihm die Teilnahme am "communication-seminar, part 2" in der Londoner City ausgeredet. "Chef, da müssen Sie in Ihrer Position doch nicht hin, dass ist eher was für "tiefere" Levels, ich kann da für teilnehmen". Er hat grosszügig genickt. "Wo Sie Recht haben, Samantha, da haben Sie recht". Gut geplant von den Organisatoren, es findet am Freitag nachmittag statt, d.h. man kann noch ein Shopping- und Culture weekend dranhängen. Unsere interne Travel Agency hat mich auf Business Class (Preise identisch) und in mein Lieblingshotel gebucht, das "Cardogan 11". Es liegt im Herzen von Chelsea, in einer grünen, ruhigen Seitenstrasse des Sloane Square - mein bevorzugtes Quartier. Eine der Teilhaberinnen des Hotels ist Liz Hurley. Ich liebe den Service in diesem kleinen Hotel, mit den knarrigen Dielen, dem alten Gemäuer, den Stil-Möbeln und den Butlers (es hat keine Reception) und wie man sich bei Ankunft im Gästebuch einschreibt. Ich liebe die kleinen Interior Design Shops des Quartiers, die Department Stores, und natürlich mein Lieblings-Café, das "Odeon" an der Kreuzung des Sloane Square,

Aber noch bin ich in der S-Bahn zum Flughafen Zürich und meine Lektüre "20 Minuten" wird gestört, durch die Stimmen von 2 Reisenden hinter mir. Ich kann sie nicht sehen, aber ich schätze sie beide auf Mitte 40, gut situiert, in der Werbung oder Kommunikation tätig - oder in diesem Umfeld - nach dem Fachjargon zu schliessen.
Der eine hat eine tiefe Stimme, Berner Dialekt, der andere eine heisere hohe Stimme mit Zürcher Einschlag.

Der Berner: "Ich hab geglaubt, man kann beides vereinen und nebenher laufen lassen....". Der Zürcher: "Ja, aber eh, das weiss man doch, dass es "Lämpe" gibt bei solchen Geschichten". Der Berner: "Ja, aber sie ist doch so selbständig und hat mir gleich zu Beginn gesagt, dass sie nicht der Typ zum Heiraten ist". Der Züricher: "Das sagen sie immer und dann werden sie plötzlich stressig und wollen, dass Du Dich von Deiner Frau trennst". Der Berner: "Sie war so süss am Anfang, immer gut gelaunt, frisch. fröhlich und unternehmenslustig - nicht wie Moni". Der Zürcher: "So fängts immer an - zuerst sind sie süss und dann werden sie zu Hyänen".

Mein Interesse ist geweckt - ich spitze meine Ohren:

Der Berner:"Du kennst mich, George, ich lege die Fakten immer auf den Tisch, privat und geschäftlich. Ich habe ihr gesagt, dass ich Moni nie verlassen werde, die Kids sind ja noch in der Ausbildung - und überhaupt Frauen haben doch auch Affären, ist doch nix dabei". Der Zürcher: "Du, jetzt wirds dann Zeit zum Abbrechen, gäll". Der Berner: " Ja, aber ich seh da Stress auf mich zukommen, wie wird sie reagieren, wenn ich jetzt nach bald 3 Jahren nen Rückzieher mache - die kann recht rabiat werden, weisst, sie ist ne Linke - in der Politik". Der Zürcher: "Wirst sehen, jetzt wird es dann ungemütlich. Im best case macht sie Telefonterror bei Dir im Büro und droht mit Selbstmord, im worst case besucht Sie Deine Moni und zieht Dich durch den Dreck".
Der Berner:"Scheisse, warum fang ich auch was in der Agentur an". Der Zürcher:"Genau, Du Depp, warum gehst Du nicht einfach zu einer Professionellen..".

Wir kommen in Zürich Hauptbahnhof an. Alle steigen aus dem Abteil. Während ich meinen Mantel anziehe, blick ich über die Schulter und riskier einen unauffälligen Blick auf die 2 Belauschten. Ich erwartete 2 grosse, athletische, gutaussehende Männer mit dickem Haar, viriler Ausstrahlung, ein wenig bubenhaftem Gebahren.

Aber ich sehe 2 kleinere 50-jährige, untersetzte Männer, einer mit hängenden Schultern, ein Leptosom, der andere eher ein Pykniker mit für sein Alter unpassendem Haarschnitt. Sie tragen, was man so trägt in der Werbebranche - man gehört ja schliesslich dazu und dokumentiert es, aber unauffällig und bieder sind sie beide. Der eine, nicht sicher, ob es der Berner oder der Zürcher ist, trägt ein penetrantes italienisches After-Shave.

Ich steig' aus dem Zug und geh die Rolltreppe zum Check-in hoch.

Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin



Social Bookmarking
Reddit!Del.icio.us!Live!Facebook!Slashdot!Netscape!Technorati!StumbleUpon!Spurl!Wists!Simpy!Newsvine!Blinklist!Furl!Fark!Blogmarks!Yahoo!Smarking!Netvouz!Shadows!RawSugar!Ma.gnolia!PlugIM!Squidoo!BlogMemes!FeedMeLinks!BlinkBits!Tailrank!
 
< Prev   Next >