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30 und kein bisschen weise..... |
... das ist heute am 31. Januar 2008 - rückwirkend auf die letzten 30 Jahre meines Lebens - der Spruch, den ich Curd Jürgens Autobiographie abgekupfert habe.
Vorgestern am 29. Januar 2008 bin ich 30 geworden. Was soll ich sagen. Es ist ein Meilenstein. Ich bin nicht mehr 20. Nicht mehr "zig", sondern "sig" am Schluss der Zahl. Wenn ich diese Woche ins Fitness gehe und die Konditions-Folter-Maschine einstelle, werde ich bei der Alterseingabe 30 - 35 eingeben müssen und nicht wie bisher 25 - 30. Bei den Wettbewerben und Tests in diversen Frauenzeitschriften bin ich nicht mehr bei den Jüngsten, sondern bereits im Mittelfeld. Bei den Gesichtscrèmes werde ich auf "reife Haut" umsteigen und bei der Krankenkasse einen höheren Monatsbeitrag leisten. In 5 Jahren komm ich in die Midlife Crisis. Die biologische Uhr tickt. Leise, aber sie tuts.
Ich habe letzte Woche bei Mama zu Besuch in Küsnacht, erwähnt, dass mir der Super GAU nämlich just dieser 30. Geburtstag was ausmacht. Und sie hat gehandelt. Ihr Mutterherz, Mama ist 50 geworden (ja, sie war bei meiner Geburt genau 20), hat sich erbarmt. Mit Papa und Onkel im Schlepptau holten sie mich am 29. von der Arbeit ab - ohne Vorwarnung. Natürlich hat sie noch kurz mit Frau Wilisauer vom Empfang kurzgeschlossen, deren Tochter hat bei Mama's Hairdresser die Lehre gemacht - Küsnacht ist ein Dorf - und sichergestellt, dass ich noch im Büro bin. Und als ich um 18.00 Uhr leicht griesgrämig und mit dem Bewusstsein, ab heute mehr Falten zu haben, an der Reception vorbeiging, stand da Mama, Papa und Onkel. Mama lächelnd - ja Kind, ist das eine Ueberraschung? Papa leicht genervt, seine Idee wars wohl nicht. Onkel feixend.
Den Cheep von Mama - natürlich auf dem Trottoir parkiert, gleich vor dem Eingang der Bank - "alles mit Frau Willisauer vom Empfang abgesprochen, falls ein Polizist kommt", dann fuhren wir los - nach Bern. Mama hat dort mit 19, kurz vor der Hochzeit mit Papa einen "Jungmädchen-Intensiv-Kochkurs" absolviert - bei Klosterfrauen eines Hoszpiz. Deshalb kennt Mama Gott und die Welt dort. Papa geht nicht unbedingt gern dorthin als Zürcher, immerhin waren doch einige Berner Giele hinter meiner drallen Mama her - damals.
Die Ueberraschung war ein deftiges Essen im Kornhaus vor der Kornhausbrücke und dann ein Absackerl in einem der unzähligen Kellertheater - "unter den Lauben". Während des Essens wurde Mama immer humorvoller - der Wein - und begann Algebra-Formeln aufs Tischtuch zu malen, Papa schwadronierte über die Preiserhöhungen in den letzten 10 Jahren - unverschämt teuer alles - und Onkel lockerte seine Kravatte, weil ihm der Weingenuss (3 verschiedene Sorten) in den Kopf stieg. Da alle 3 auf's Dessert verzichteten, bekam ich insgesamt 4.
Auf der Rückreise fuhr Papa, ich war irgendwie beruhigt, den Onkel sass mit Rechtsdrall auf dem Beifahrersitz und suchte im Zwischenfach nach CD's und wurde doch nicht fündig und Mama reckte den Hals nach vorn, um Papa's Fahrweise zu kritisieren "er fährt immer zu nah ran". Dann fischte Onkel eine 60-er Jahre Mix CD hervor und dann sangen wir alle 4 die Evergreens von den Beatles, den Who, den Stones, Ella Fitzgerald. Mama mit ihrer hellen Glockenstimme ganz hoch, Papa mit Bariton und Onkel Tenor. Ich sang irgendwo im Mittelfeld - einmal hoch einmal tief. Einig singend erreichten wir Zürich.
Vive la famille!
Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin.
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