ProfilesWieso besetzen so wenig Frauen die wichtigen Positionen der Wirtschaft, Politik, Kunst, ...? Einer der Hauptgründe ist das Fehlen eines Vorbilds. Wenn Sie noch kein Vorbild aus Ihrer Umgebung haben, können Sie hier eins entdecken.
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"Du: Tippse - Ich : Chef" |
Wir schreiben den 9. Januar 2008 und ich bin schon wieder auf 100.
Mein Chef, der Anwalt hat mich, für 2 Tage an einen "Kumpel" ausgeliehen. Nicht, dass ich jetzt missverstanden werde - rein geschäftlich. In unserer Company Policy ist das so verankert, dass ein Vorgesetzter bei Bedarf einer anderen Abteilung einen Mitarbeiter "zur Verfügung" stellen kann. Und da mein Chef, der Anwalt, heute im Militär Kaderkurs (Generalstab) ist, bin ich heute und morgen den ganzen Tag für diesen - nennen wir ihn mal "Freddy" zuständig.
Ferdinand, oder Freddy genannt, hat schriftlich darum gebeten, dass ich "ausgeliehen" werde, da seine neue "Admin" (bei diesem Wort sträuben sich mir schon die Nackenhaare)erst Ende Woche ihren "Dienst" antritt. Klingt das nicht militärisch? Die beiden, mein Chef und Freddy, kennen sich schon seit der RS (Rekrutenschule) irgendwo in den Pampas vom Berner Oberland.
Während mein Chef noch irgendwie schnuckelig aussieht - was mich seine immer wiederkehrenden Verfehlungen im menschlichen Bereich vergessen lässt - gleicht Freddy einem Primaten, mit der Gangart eines Homo Sapiens aus der Steinzeit. In besagtem e-mail wird einfach über meinen Kopf hinweg beordert, dass ich in der Abteilung einen Stock weiter unten "aushelfe". Auf die Frage, was dieses "Aushelfen" denn beinhalte, erhielt ich die Antwort: Admin & Telefondienst!! Diesen Ausdruck braucht man doch seit 60 er Jahren nicht mehr. Ein altes Bild von einem Heer von Telefonistinnen in einem Grossraumbüro eines amerikanischen Films erscheint vor meinem inneren Auge.
Und heute habe ich also diesen "Dienst" angetreten. Ein winziges kleines Vorzimmer-Büro im unteren Stockwerk. Das heisst für 2 Tage wechsle ich von der Bel-Etage mit Blick auf die Bahnhofstrasse in die "mittlere Kaderschmiede" zu denen, die es noch nicht geschafft haben und daher noch fleissig am strampeln und mobben sind. Der Ton ist daher ein wenig rauher hier unten.
Während des ganzen Tages erhielt der Neandertaler "Freddy" Besuch von internen Business Partnern, die einfach grusslos an mir vorbeimarschierten. Ich glaube, denen war es schlicht und einfach egal, wer genau im Vorzimmer sitzt - hauptsache, da sass jemand. Als ich "Freddy" höflich darauf hinwies, dass er mich doch bitte vorstellen möge - was der Kommunikation ja nur dienen kann - winkte er jovial ab. "Im Militär sagt man: Kenntnis nur wenn NOETIG", dabei sass er breitbeinig auf seinem Bürostuhl, wie ein Melcher im Emmenthal. Und ich erwiderte: "Im Militär sagt man aber auch: Prévoir loin - commander court".
Samantha - aus dem Logbuch einer Assistentin
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